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News

24.11.2017

Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen für den Unterricht

Von: Daniel Kohlen und Sven Mundry
229 mal gelesen

Fortbildung beim Lehrmittelhersteller Lucas Nülle

Blick auf die Modellanlage

Steuerzentrale und Web-Shop auf einen Blick

Schlagworte wie Industrie 4.0 oder Digitalisierung begegnen einem mittlerweile fast täglich, doch was ist konkret darunter zu verstehen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den aktuellen und zukünftigen Unterricht am Berufskolleg.

Diesen und anderen Fragestellungen konnten wir auf einem Seminar des Lehrmittelanbieters Lucas Nülle nachgehen.
Nachdem die Lehrgangsteilnehmer die vorgestellte Industrie 4.0 -Modellanlage erstmalig in Augenschein genommen hatten, machte sich zunächst Skepsis breit, da die Anlage auf den ersten Blick genauso aussieht wie eine komplexe Modell-Fertigungsstraße „alter Bauart“. Typische Bestandteile wie Transportsystem, Bearbeitung- und Montagestationen, Vereinzler Lager und ein Roboter sind auch aus Modellanlagen bekannt, die 10 Jahre und älter sind. „Das Neue“ musste sich also an anderer Stelle verbergen.

Alle Steuerungen in der Industrie 4.0-Modellanlage sind über unterschiedliche Bussysteme (Profibus, Profinet etc.) miteinander vernetzt, so dass auf der Ebene der Steuerungen eine durchgehende Kommunikation möglich ist. Aber die Vernetzung hört im Zeitalter der Digitalisierung nicht auf der Steuerungsebene auf. Übergeordnet ist ein ERP[1]-System angebunden. Dieses ermöglicht zum einen die Konfiguration der Modellanlage, zum anderen aber auch die Kommunikation mit Kunden über einen direkt angebundenen Webshop.
Aufgrund dieser durchgehenden Vernetzung ist es möglich, Produkte nach Kundenwunsch vollständig automatisiert herzustellen.  Der Kunde konfiguriert über den Web-Shop sein Wunschprodukt und löst eine Bestellung aus. Diese wird vom ERP-System direkt verarbeitet und in Produktionsaufträge für die Anlage umgewandelt, welche daraufhin direkt mit der Produktion beginnt. Die Vernetzung aller IT-Systeme ermöglicht also eine vollautomatisierte und gleichzeitig individualisierte Serienproduktion mit der Losgröße 1.
Somit ergeben sich neue und veränderte Anforderungen an die Fachkräfte von Morgen. Dies sind z.B. Beispiel vertiefte IT-Kenntnisse, die Fähigkeit komplexe Systeme und deren Funktionszusammenhänge zu überblicken und die Bereitschaft und Fähigkeit mit anderen Gewerken zu kooperieren.

Auf diese geänderte Anforderungssituation möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich vorbereiten und prüfen daher die Anschaffung einer Anlage, an der sich die notwendigen Kompetenzen für die Digitalisierung erwerben lassen für das BKU.

 


[1] ERP: Enterprise Ressource Planning